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Geschrieben von: Michael Schiwek   
Montag, den 16. Januar 2012 um 07:29 Uhr

 

Unscheinbarer Killer

Von Ralf Wiethaup am 15. Januar 2012 17:17

Recklinghausen. Als die 60 Minuten abgelaufen waren, ließ sich Kevin Polnik auf keine großen Diskussionen ein. 30:30 stand es im Kellerduell zwischen dem HTV 95/28 und dem HC Dortmund-Süd, doch die Gastgeber hatten in wahrhaft letzter Sekunde noch einen an Slaven Lukic verursachten Siebenmeter zugesprochen bekommen. Reine Nervensache also.

Kommt ein Polnik geflogen: Unter den erwartungsvollen Blicken der Zuschauer erzielt der HTV-Rechtsaußen das 30:27 für sein Team, doch die Entscheidung war das immer noch nicht. Foto: Wiethaup

Thomas Ostler hatte den Ball, schien auch entscheidungswillig, doch Polnik sprach offensichtlich ein paar überzeugende Worte, griff sich die verharzte Kugel – und machte sie rein. 31:30 – Riesenjubel in der Overberghalle!

Und ausgerechnet Polnik war‘s! Der 20-Jährige hat längst nachgewiesen, dass er nicht zufällig im Team des Landesligisten steht, doch zumindest äußerlich wirkt der zerbrechliche Rechtsaußen nicht unbedingt wie ein Scharfrichter. Polnik gibt optisch eher den Typus Physikstudent, doch nicht nur wegen seines finalen Niederschlags avancierte er im Verlauf der zweiten Halbzeit zum „Mann des Abends“. Acht seiner neun Treffer erzielte er nach dem Seitenwechsel.

Allerdings hatte es nach einem solchem Happy End lange nicht ausgesehen: Polnik hatte zwar zum ersten Tor des Tages getroffen, doch danach scheiterte er gleich in Serie am guten Dortmunder Keeper Jonas Fuhr. Immerhin befand er sich dabei in guter Gesellschaft, denn auch etliche seiner Mitspieler erlaubten sich den Luxus einer recht laschen Chancenverwertung. Vor allem nach der vermeintlich beruhigenden 9:6-Führung (15.) ging im Grunde gar nichts mehr: Für Michael Schiwek, Slaven Lukic und nicht zuletzt Daniel Brunner war das Gäste-Tor wie zugemauert, die Folge war ein 11:14-Rückstand (25.), mit 14:16 rettete man sich in die Pause.

Für diese fatale Spielentwicklung konnte der HTV allerdings zwei mildernde Umstände reklamieren: Die frühe Verletzung von Kai Schulz und die Rote Karte gegen Thomas Gutzeit (23.), die man auch aus objektiver Sicht nur als höchst fragwürdig bezeichnen musste. Doch auch eine weitere Matchstrafe für Schiwek (36.) konnte die Ludwiger Aufholjagd letztlich nicht bremsen, die allerdings auch ihre Brüche hatte. So kassierte der HTV beim Stand von 26:24 zwei Tore von nur fünf (!) Dortmundern, und so glaubte man sich beim 30:27 bereits als sicherer Sieger.

Die Gäste stellten auf offene Manndeckung um, was dem Team von Trainer Andreas Gutzeit so gar nicht behagte, doch wer das letzte Ausrufezeichen hinter die dramatische Partie setzte, ist bereits bekannt: Kevin Polnik, der unscheinbare Killer!

Kein Wunder, dass der HTV-Coach tief durchatmete: „Das verschafft uns erst einmal ein wenig Luft im Abstiegskampf. Spielerisch war nicht alles überzeugend, aber kämpferisch war die Leistung tadellos.“

HTV 95/28: Müller, Scheib; Brunner (5/3), Ostler (4/1), Polnik (9/3), Schulz, Lukic (5), Vogel, Kasperavicius (7), Schmalenbeck, Gutzeit, Schiwek (1), Kowalski

 
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